Vorträge

„Lernen im Jahr 2018“ Bildungsforscher Prof. Dr. Diethelm Wahl informiert an der Gemeinschaftsschule Neubulach über aktuelle Forschungsergebnisse

Es ist ein boomender Forschungszweig: Hirnforschung, PISA-Studien, die vielzitierte Hattie-Studie, die Studien zum Lernen an Gemeinschaftsschulen des Tübinger Bildungsforschers Thorsten Bohl – um nur einige zu nennen. Gemeinsam haben alle diese Forschungsbemühungen eines: Sie versprechen fundierte Auskünfte über die Gestaltung von schulischen Lehr- und Lernprozessen. Gleichzeitig ist die Frage nach gutem Unterricht für viele selbsternannte Experten auch ein vielversprechendes Geschäftsfeld, auf dem zum Teil mit zweifelhaften Tipps und Methoden gutes Geld verdient werden kann.
Und in der bildungspolitischen Diskussionen um die richtige Schulform werden die vorliegenden Forschungsergebnisse häufig von verschiedenen Interessengruppen komplett unterschiedlich interpretiert.

Alles in allem führen all diese Entwicklungen dazu, dass es gar nicht immer einfach ist, im „Dschungel der Studien“ den Überblick zu behalten. Prof. Dr. Diethelm Wahl hat diesen Überblick! Er ist Lernpsychologe und Erwachsenenbildner und hat selbst zahlreiche bildungswissenschaftliche Forschungsprojekte durchgeführt und begleitet.

Seit Jahren ist er ein gefragter Referent und begleitet sehr erfolgreich mehrere Schulen im gesamten deutschsprachigen Raum. In diesem Schuljahr arbeitet er auch mit der Gemeinschaftsschule Neubulach. Er besucht Unterricht, coacht Lehrkräfte und führt mit dem Kollegium einen pädagogischen Tag durch. Am Donnerstagabend (01.02.2018) hielt er darüber hinaus einen sehr gut besuchten Vortrag in der Neubulacher Turn- und Festhalle. Hier erläuterte er vor knapp 200 Gästen den aktuellen Forschungsstand und stellte darauf aufbauend Konsequenzen für die Gestaltung von Unterricht vor.

Seine Kernbotschaft lautet: Lernen ist ein einzigartiger Prozess! Jeder Mensch lernt anders und daraus resultieren individuelle Unterschiede bei den Lernenden, vor allem in den Bereichen der Vorkenntnisse, der Begabung, der Motivation, der Aufmerksamkeit und im Einsatz von Lernstrategien. Diese Unterschiede führen unter anderem zu großen Unterschieden im Lerntempo, die eine individuelle Gestaltung von Unterricht (beispielsweise in Form von individuellen Lernphasen) notwendig machen.

Die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen im Gehirn ist zunächst begrenzt – Lernpsychologen sprechen vom „Flaschenhals der Informationsverarbeitung“. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, müssen sich im Lernprozess Phasen des informierenden Lernens (z.B. „Input“-Phasen) und der individuellen Verarbeitung („IL-Phasen“) systematisch abwechseln, wobei darauf geachtet werden muss, dass die informierenden „Frontal-Phasen“ nicht zu lange dauern. Prof. Wahl nennt dies das „Sandwich-Prinzip“ der Unterrichtsarchitektur.

Anhand von konkreten Unterrichtsmethoden zeigte er auf, wie es gelingen kann in Zusammenhängen zu lernen (z.B. über das Legen von Begriffsstrukturen) und unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Lernmethoden kooperatives Lernen erfolgreich ist. Diese Umsetzungsbeispiele illustrierte er auch mit Fotos, die Schüler/innen GMS Neubulach in ihren Lernprozessen zeigten.

Zum Abschluss des Vortrags ging Prof. Dr. Wahl auf die Bedeutung des Willens und der Motivation der Schüler/innen ein. Sein Credo an die Eltern war es, Leistungen immer als etwas Besonderes und niemals etwas Selbstverständliches zu bewerten. Die Zuhörer erlebten einen höchst informativen Vortragsabend, bei dem sie mit vielen lebensnahen Beispielen und Anekdoten unterhaltsam und abwechslungsreich eine Reise in die anspruchsvollen Erkenntnisse der Bildungsforschung unternehmen konnten.

Da Prof. Wahl seinen eigenen Botschaften treu bleibt, wurde der Vortrag alle 10 -15 Minuten von Phasen der aktiven Verarbeitung durch die Zuhörenden und eingeschobenen kooperativen Phasen unterbrochen, so dass die Zuhörer die Wirksamkeit der Vortragsinhalte am eigenen Leib erleben konnten.

Letztlich bleibt ein Fazit: Lernen ist ein komplexer Vorgang. Doch wenn man es richtig gestaltet, macht es Spaß - an diesem Abend konnten sich die Zuhörer selbst erleben!

Bericht Schwarzwälder Bote vom 08.02.2018

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