GMS REACH 4
Eine Rakete steigt über einen Kilometer in den Himmel. An Bord: ein Mini-Satellit made in Neubulach. Seine Aufgabe: die Funkverbindung zu einem Menschen in Not herstellen, der vom Boden aus nicht mehr erreichbar ist. Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Doch seit dieser Woche wird daran gearbeitet.
Unter dem Namen „GMS REACH 4“ entwickeln die Schüler des Profilfachs IMP – Informatik, Mathematik und Physik – gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe einen Mini-Satelliten, mit dem sich das Team für den Deutschen CanSat-Wettbewerb bewirbt, der vom deutschen Bildungsbüro der Europäischen Weltraumorganisation ESA koordiniert wird.
„Uns ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht für die Schule lernen, sondern an echten Problemen und konkreten Anwendungen arbeiten“, sagt IMP-Lehrer Christian Zachrich. „Dann bekommt Lernen einen Sinn. Bei diesem Projekt entwickeln die Jugendlichen gemeinsam mit Experten eine technische Lösung, die im besten Fall sogar einmal dazu beitragen kann, Leben zu retten.“
Der erste Projekttag an der Hochschule Karlsruhe begann für die Zehntklässler gleich mit einer echten Vorlesung. Professor Nenninger führte sie in das Projektmanagement ein – mit Inhalten, die normalerweise Teil einer Qualifizierungs- und Zertifizierungsreihe für Ingenieure sind. Anschließend ging es direkt ins Labor. Dort führte das Hochschulteam die Schüler in die LoRa-Funktechnik ein. Mit ihr lassen sich kleine Datenmengen bei geringem Energieverbrauch über große Entfernungen übertragen. Schon am ersten Tag programmierten die Jugendlichen Funkmodule und bauten erste Verbindungen auf.
Genau diese Technik soll später das Herzstück ihrer Mission bilden. Der Mini-Satellit soll in der Höhe als Relaisstation fungieren und so eine Funkverbindung ermöglichen, die am Boden beispielsweise aufgrund großer Entfernung oder Geländeabschattung nicht zustande kommt.
„Ich finde es total faszinierend, dass die GMS Neubulach einen Satelliten baut und ihn mit einer Rakete hochschicken will. Deshalb unterstützen wir natürlich gerne“, sagt Nenninger. Das Projekt sei ausgesprochen ehrgeizig und greife zahlreiche Inhalte auf, die sonst erst im Studium eine Rolle spielen. Mit Blick auf die langjährige Zusammenarbeit und seine Erfahrungen mit der GMS Neubulach sei er dennoch zuversichtlich, dass die Schüler ihr Ziel erreichen werden.
Ganz nebenbei ist das Projekt für die Zehntklässler auch Studienorientierung. Allerdings nicht bei einer Informationsveranstaltung: Sie sitzen selbst in einer Vorlesung, arbeiten im Hochschullabor und entwickeln mit Wissenschaftlern die technischen Lösungen für ihr eigenes Projekt.
Für die GMS Neubulach ist REACH 4 bereits die vierte Mission in die Höhe. Drei Forschungsballons schickten Schülerteams in den vergangenen Jahren bereits in die Stratosphäre. Nun soll erstmals eine Rakete folgen. Zunächst muss dafür allerdings die Bewerbung beim CanSat-Wettbewerb überzeugen. Die Mission selbst hat bereits begonnen.