"Hitler von Köln" zu Gast in Neubulach

Ein außergewöhnlicher Workshop zur Demokratiebildung stand im Rahmen der Demokratiewoche des Jugendhauses für unsere „Achter bis Zehner“ auf dem Programm. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Lindenrainschule Ebhausen setzten sich die Jugendlichen intensiv mit den Mechanismen von Radikalisierung und Extremismus auseinander. Zum Auftakt begrüßte Schulsozialarbeiterin Sabine Huber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie betonte die große Bedeutung demokratischer Bildung in einer Zeit, in der extremistische Ideologien und Verschwörungserzählungen zunehmend über soziale Medien verbreitet werden. Gleichzeitig bedankte sie sich bei der Lindenrainschule Ebhausen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie beim Förderverein der Gemeinschaftsschule Neubulach für die finanzielle Förderung der Veranstaltung, die die Durchführung des Workshops ermöglicht hatte.

Als Referenten hatte die Schule Axel Reitz eingeladen. Kaum ein anderer ehemaliger Rechtsextremist dürfte in Deutschland so bekannt gewesen sein wie er. Als führender Neonazi und NPD-Funktionär gehörte er über viele Jahre zu den bekanntesten Figuren der rechtsextremen Szene und erhielt den zweifelhaften Beinamen „Hitler von Köln“. Wegen Volksverhetzung und weiterer Straftaten wurde er mehrfach verurteilt. Nach seinem Ausstieg arbeitet Reitz heute als zertifizierter Anti-Gewalt-Trainer und Deeskalations-Coach in der Extremismusprävention. In Schulen berichtet er offen darüber, wie aus einem 13-jährigen Jungen einer der bekanntesten Neonazis Deutschlands wurde – und warum der Ausstieg aus einer solchen Ideologie möglich, aber alles andere als einfach ist. Reitz nahm die Jugendlichen mit auf seinen persönlichen Weg in die Radikalisierung und wieder hinaus. Dabei machte er deutlich, dass Extremismus selten mit ideologischer Überzeugung beginnt, sondern häufig dort entsteht, wo Menschen Anerkennung, Zugehörigkeit oder einfache Antworten auf komplexe Fragen suchen. Anhand persönlicher Erlebnisse zeigte er, mit welchen Strategien extremistische Gruppen junge Menschen ansprechen und wie schwer der Ausstieg aus solchen Strukturen sein kann. Anschließend beantwortete er offen die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Der Workshop stieß auf großes Interesse. Besonders die Möglichkeit, mit einem ehemaligen führenden Vertreter der rechtsextremen Szene direkt ins Gespräch zu kommen und dessen persönliche Geschichte aus erster Hand zu hören, machte den Vormittag für viele Jugendliche zu einer außergewöhnlichen Erfahrung.

Wir danken André Wichert und Sabine Huber herzlich für die Organisation der Veranstaltung sowie dem Förderverein für die großzügige Unterstützung.

 

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